Manchmal denke ich zurück an Abende, an denen Serien noch etwas Besonderes waren. Bei uns war das z.b. Nash Bridges um 17:10 auf VOX. Oder The Pretender. Da saß man Woche für Woche gespannt vorm Fernseher und wenn das Staffelfinale kam, hatte man schon Lust auf die nächste Staffel, die nur ein paar Monate entfernt war. Heute fühlt sich das anders an. Heute ist Serien schauen ein Projekt.
Ich hab auf Wednesday Season 2 fast drei Jahre gewartet. Drei Jahre! Und was war das Ergebnis? Der Zauber war irgdnwie weg. Die Figuren wirkten älter, die Energie fehlte und so ehrlich unter uns gesagt, ich hatte Mühe, mich überhaupt wieder einzufühlen. Kein Wunder, dass die zweite Staffel 50 Prozent weniger Zuschauer hatte als die erste. Der Hype war einfach verpufft, noch bevor die Serie gestartet ist.
Es ist ein Muster, das man überall sieht. Lange Pausen, überproduzierte Bilder, zu wenig Seele. Streamingplattformen scheinen vergessen zu haben, dass Unterhaltung auch Rhythmus braucht. Dass Begeisterung Nähe braucht. Wenn zwischen zwei Staffeln halbe Jahrzehnte vergehen, ist keine Nähe mehr da. Nur Distanz.
Und dieses Gefühl von, du musst das schauen, sonst verpasst du was? Es raubt mir den Spaß. Serien sollen berühren, überraschen, nicht abhaken. Aber genau das tun sie jetzt. Man konsumiert, um mitreden zu können, nicht, weil man’s genießen will.
Vielleicht ist das der Preis der Streaming-Ära: mehr Auswahl, weniger Bindung. Und ich frag mich manchmal, ob wir überhaupt noch Zeit haben, Serien zu lieben, oder nur noch Platz in der Watchlist suchen.